20min
Das passierte vor den tödlichen ICE-Schüssen von Minneapolis
In der Grossstadt Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota erschoss ein Agent der Einwanderungsbehörde ICE am Mittwoch eine 37-jährige Frau. Nach Darstellung der Behörde soll sie versucht haben, den Beamten mit ihrem Auto zu rammen. Es gibt Handyvideos von dem Vorfall. Lokale Politiker der Demokratischen Partei und Vertreter des Bundes deuten sie unterschiedlich.
Die Videoanalyse zeigt, dass die Frau nicht auf den Beamten zusteuerte, sondern nach rechts abbog. Zudem ist auch zu sehen, dass die Beamten einem Mann, der sich als Arzt bezeichnet, den Zugang zur erschossenen Frau verweigern.
Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte, der Beamte habe in Notwehr gehandelt und sprach von einem Fall von «inländischem Terrorismus». Die Frau habe die Beamten mit ihrem Fahrzeug blockiert, sie im Laufe des Tages belästigt und «versucht, einen Beamten zu überfahren», ehe auf sie geschossen worden sei, erklärte Noem. Er habe gemäss seiner Ausbildung gehandelt und auch seine Kollegen schützen wollen.
Der sichtlich aufgebrachte Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, bezeichnete Noems Darstellung des Vorfalls hingegen als «Quatsch». «Sie versuchen bereits, das als Notwehr darzustellen. Nachdem ich mir das Video selbst angesehen habe, will ich allen ganz deutlich sagen: Das ist Bullshit [Blödsinn]», sagte der Bürgermeister.
Schon vor Jahrzehnten führten viele Polizeibehörden in den USA Regeln ein, die das Risiko mindern sollen, dass Unbeteiligte getroffen werden oder Fahrer die Kontrolle über ihren Wagen verlieren, nachdem auf sie geschossen wurde. Grundsätzlich ist das Schiessen auf fliehende Fahrzeuge verboten. Es sei denn, der Fahrer stellt eine unmittelbare tödliche Bedrohung dar.Das US-Justizministerium schreibt in seinem Handbuch, dass Schusswaffen nicht allein dazu eingesetzt werden dürfen, ein fahrendes Fahrzeug zu stoppen. Tödliche Gewalt sei nur in bestimmten Ausnahmefällen zulässig, zum Beispiel wenn jemand im Fahrzeug eine andere Person mit tödlicher Gewalt bedrohe oder das Fahrzeug selbst so eingesetzt werde, dass eine unmittelbare Gefahr bestehe und es keine andere angemessene Option gebe, etwa durch Ausweichen.